Erfahrungsbericht – Vom Delikt über die MPU-Vorbereitung zurück zum Führerschein

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Mein Delikt

Als ich den Briefumschlag von der Führerscheinstelle öffnete, wusste ich schon, dass sich darin die Aufforderung zur MPU befand. Das wurde mir bereits während des Strafverfahrens mitgeteilt und ich hatte mich direkt nach meiner Trunkenheitsfahrt auch im Internet darüber informiert, was nun auf mich zukommen würde. Die Ergebnisse meiner Recherchen waren ernüchternd. Ich hatte schon mal davon gehört, dass ab einem Promillewert von 1,6 eine MPU gefordert wird, dachte aber nicht, dass mich das als Fahrradfahrer betreffen würde. Ich fühlte mich ungerecht behandelt – immerhin hatte ich an jenem Abend das Auto bewusst zu Hause stehen gelassen, weil ich geplant hatte, zu trinken. Am Ende des Abends hatte ich dann mehr getrunken als ich eigentlich wollte und so kam es dazu, dass zwei vorbeifahrende Polizisten mich dabei beobachteten, wie ich versuchte, nach Hause zu kommen. Ich kann mich nicht mehr an alle Details erinnern, aber im Polizeibericht stand, dass ich in Schlangenlinien fuhr. Nach einem Atemalkoholtest wurde ich zur Wache gebracht und musste dort Blut abgeben: 1,79 Promille.

Meine Entscheidung für eine MPU-Vorbereitung

Nachdem ich also wusste, dass eine MPU auf mich zukommen würde und, dass die Chancen schlecht standen, um diese Untersuchung herumzukommen, begann ich, mich mit den Voraussetzungen für eine positive MPU zu beschäftigen. Ich las im Internet, dass eine gute Vorbereitung sehr wichtig wäre. Aber was ist eine gute Vorbereitung? Reichte es, ein Buch dazu zu lesen oder sich im Internet schlau zu machen? Ich will ehrlich sein – mit dem Gedanken habe ich gespielt, weil so eine MPU schon teuer genug ist. Auf der anderen Seite dachte ich mir, dass es am Ende noch teurer werden könnte, wenn ich die MPU wiederholen müsste, weil meine Vorbereitung halbherzig war. Also beschloss ich, eine professionelle MPU-Vorbereitung zu machen.

 

Ich habe mich für die MPU-Akademie aus mehreren Gründen entschieden: Erstens, weil die Vorbereitung komplett online stattfindet und die Termine sehr flexibel an meinen Terminplan angepasst werden konnten. Zweitens, weil es sich dabei um individuelle Einzelberatungen handelt und nicht um Gruppensitzungen. Wichtig war mir außerdem, dass die Berater ausgebildete Verkehrspsychologen sind.

Beginn meiner MPU-Vorbereitung

Der Start der Beratung lief sehr unkompliziert ab: Ich erhielt genaue Anweisungen und einen Link zum ersten Meeting. Ein wenig aufgeregt war ich schon, immerhin hatte ich so etwas noch nie gemacht. Meine Aufregung legte sich schnell, als ich merkte, dass der Berater sehr nett war und mir erst einmal den genauen Ablauf erklärte: Wir würden mit einem Online-Dokument arbeiten, über mein Delikt und die Hintergründe sprechen. Es würde auch um Veränderungen gehen, die mich davor schützen sollten, in alte Verhaltensmuster zurückzufallen. Ich bekam auch Tipps zum Umgang mit Organisatorischem.

Meine MPU-Vorbereitung

So weit so gut. Skeptisch wurde ich erst, als Fragen zu meiner Kindheit gestellt wurden. „Was hat das mit meiner Trunkenheitsfahrt zu tun?“, dachte ich. Der Berater wollte auch sehr genau wissen, was die Gründe meines Alkoholkonsums waren. Ich hatte eben auf Partys getrunken. Aus Spaß und weil alle es gemacht haben. Ich trank doch auch nicht jeden Tag, sondern nur am Wochenende und nur mit Freunden zusammen. Ich merkte, wie ich anfing, mich zu rechtfertigen. Ich dachte: „Ein junger Typ, der am Wochenende auf einer Party zu viel getrunken hat und mit dem Fahrrad ins Wanken geraten ist, muss jetzt sein Innerstes offenbaren und über seine Probleme sprechen, die er gar nicht hat!“ Ich fühlte mich abgestempelt. Mein Berater reagierte auf meine Bedenken sehr verständnisvoll. Während der Gespräche wurde mir immer bewusster, welche Funktion der Alkohol für mich hatte. Als Kind hatte ich das Gefühl, irgendwie anders als meine Geschwister zu sein und fühlte mich nicht immer akzeptiert. „Jetzt sei doch nicht so schwierig“ habe ich sehr oft gehört. Rückblickend habe ich versucht, weniger schwierig zu sein, wusste aber nicht, wie. Also habe ich einfach angefangen, mich zurückzuziehen und weniger von mir zu zeigen. Dadurch konnte ich zumindest unangenehme Kommentare vermeiden. Auch unter Freunden war ich eher verschlossen, fühlte mich gehemmt. Es war mir nicht bewusst, aber Alkohol war für mich ein Weg, mich „normal“ zu fühlen und mehr so zu sein, wie die anderen: Gesprächiger, offener, mutiger. Es ist mir nicht leichtgefallen, über diese Dinge zu sprechen und mir Zusammenhänge zwischen meiner Vergangenheit und meinem Alkoholkonsum einzugestehen. Aber ich wurde behutsam an verschiedene Themen herangeführt und mittlerweile bin ich sogar froh, dass ich jetzt mehr über mich selbst weiß und auch lerne, mich mehr so zu akzeptieren, wie ich bin, anstatt mich durch Alkohol zu jemandem zu machen, von dem ich dachte, dass er mehr gemocht wird.

Meine positive MPU

Am Ende der Beratung hatte ich nicht nur das Gefühl, gut vorbereitet zu sein. Ich hatte auch tatsächlich verstanden, welche Rolle Alkohol in meinem Leben gespielt hat und ich habe mir außerdem ganz konkrete Strategien erarbeitet, wie ich zukünftig besser auf mich Acht geben kann. Ich verstelle mich zum Beispiel nicht mehr und sehe meine Stärken deutlicher. Meine Freundschaften sind inniger geworden, seitdem ich mich mehr öffne und auch mit Kritik besser umgehen kann. Außerdem habe ich durch meine Trinkregeln einen gesunden Umgang mit Alkohol gefunden. Ich muss gestehen, dass ich der Psychologie vor meiner Beratung sehr kritisch gegenüberstand. Ich bin aber fasziniert davon, wie viel mir doch in so kurzer Zeit bewusst geworden ist.

Die MPU-Simulation am Ende der Einzelberatungen hat mir zusätzlich Sicherheit gegeben. Ich wusste, wie sich so ein MPU-Gespräch anfühlt, welche Fragen auf mich zukommen können und, dass ich sie beantworten kann. Natürlich war ich am Tag der MPU trotzdem nervös, doch das MPU-Gespräch verlief entspannt und fühlte sich nicht wie eine Prüfung an. Es war ein Gespräch über mich, das ich mit trockenem Mund und feuchten Händen begann und das mir nach einiger Zeit fast ein wenig Spaß brachte, als ich merkte, wie leicht es mir fiel, auf die Fragen zu antworten. Insgesamt war der Tag der MPU schon sehr aufregend und auch anstrengend für mich. Das Gespräch selbst hat zwar nur eine knappe Stunde gedauert, aber zusammen mit dem Besuch beim Arzt, dem Reaktionstest und der Wartezeit war ich dann doch gut vier Stunden dort. Der Gutachter konnte mir aber direkt nach unserem Gespräch schon sagen, dass das Gespräch positiv verlaufen war und ich war enorm erleichtert, als ich nach Hause ging. Die Zeit der MPU-Vorbereitung war sehr erkenntnisreich und bereichernd. Ich war trotzdem froh, als ich etwa zwei Wochen nach meiner MPU das positive Ergebnis in meinen Händen hielt und wusste, dass ich es geschafft hatte

 

Ich wünsche Euch ebenfalls viel Erfolg bei Euer bevorstehenden MPU. 

Marcel 

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