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Fragen einer Drogen MPU

BEREITEN SIE SICH OPTIMAL AUF IHRE DROGEN MPU VOR, DAMIT SIE BALD WIEDER MOBIL SIND.

Zum Autor

Diplom-Psychologe Gunnar Hoyer

Psychologischer Psychotherapeut und ehemaliger MPU-Gutachter

Nach meinem Psychologiestudium an der Carl von Ossietzky  Universität in Oldenburg habe ich zunächst mehrere Jahre in der  Arbeits-, Betriebs- und Organisationspsychologie gearbeitet, bevor  ich in den klinischen sowie verkehrspsychologischen Bereich gewechselt habe. Meine Ausbildung zum psychologischen Psychotherapeuten habe ich in Frankfurt am Main abgeschlossen  und viele Jahre dort auch als MPU-Gutachter beim TÜV Hessen  gearbeitet. Nach meiner Tätigkeit als MPU-Gutachter habe ich 2015  die MPU-Akademie gegründet. Die MPU-Akademie ist auf Online MPU-Vorbereitung spezialisiert.

Wir freuen uns, auch Sie online durch Ihre MPU zu begleiten.

MPU-Akademie
Lilistraße 24
63067 Offenbach
www.mpu-akademie.eu
0800-2177217

1

Einstiegsfragen

Die Fragen 1a – 1b sind typische Einstiegsfragen von MPU-Gutachtern, für die Sie Antworten
parat haben sollten, die darauf schließen lassen sollten, dass Sie sich umfassend auf die MPU
vorbereitet haben. Die Einstiegsfragen sind für den Gutachter ein erster Indikator dafür, wie gut
Sie auf Ihre MPU vorbereitet sind bzw. wie umfassend Sie sich mit dem Vorgefallenen auseinandergesetzt
haben.

1a. Warum müssen Sie zur MPU bzw. warum sind Sie heute hier?

Bsp.: Ich bin berauscht Auto gefahren und habe damit andere Verkehrsteilnehmer und mich selbst gefährdet.

1b. Was haben Sie sich für Ihre MPU vorgenommen?

Bsp.: Ich habe in den letzten Monaten sehr an mir gearbeitet und erkannt, was zu meinem Drogenkonsum geführt hat. Mittlerweile habe ich neue Strategien, um mit Problemen und Belastungen umzugehen, lebe zufrieden abstinent und bin auch insgesamt mit meinem Leben sehr zufrieden. Das möchte ich heute zeigen.
2

Deliktanalyse

Nachdem Sie sich vorgestellt und die Einstiegsfragen beantwortet haben, werden Sie vom Gutachter zu den aktenkundigen Delikten befragt, die Sie so genau wie möglich schildern müssen. Je detaillierter Ihre Angaben zu den Delikten sind, desto besser. Eine detaillierte Schilderung ist ebenfalls ein Hinweis dafür, dass Sie sich auf Ihre MPU intensiv vorbereitet haben.
Wenn Sie Erinnerungslücken haben, sollten Sie zur Vorbereitung versuchen, das Delikt bzw. die Delikte zu rekonstruieren (so gut wie möglich). Die folgenden Daten zu Ihren Delikten sollten Sie unbedingt kennen.

Datum, Ort und Uhrzeit des Delikts: Bsp. 01.01.2010 um 22:30 Uhr in der Beispielstraße xy
Wie viele Kilometer sind Sie gefahren, bis Sie erwischt oder auffällig geworden sind?

Wie schnell sind Sie gefahren und wie viel war erlaubt?
Bsp. Ca 2 km

Ca 40 km/h; erlaubt waren 50 km/h
Beschreiben Sie den Tathergang (in einigen Sätzen)
Bsp. Ich war bei einem Freund und wir haben zusammen 2 Joints geraucht. Gegen 22 Uhr hatte ich das Gefühl, dass die berauschende Wirkung nachgelassen hatte und wollte nach Hause fahren. Nach etwa 2 km hielt mich die Polizei im Rahmen einer Routinekontrolle an. Ich habe mich freiwillig einer Blutuntersuchung im KH unterzogen.
Wie viel haben Sie am Tattag konsumiert?
Ca 0,4 g Cannabis (zu zweit 2 Joints)
Wie hoch waren die aktenkundigen Konzentrationen im Blut?
Bsp. 5,8 ng/ml THC

89 ng/ml THC-COOH
Gab es einen Unfall? (Wenn ja, beschreiben Sie den Unfall bitte so genau wie möglich)
Nein
Sind Sie auffällig gefahren?
Ja
Wenn ja, wie? (zu schnell, zu langsam, Schlangenlinien, etc.)
Zu langsam. Laut Polizei hatte ich außerdem gerötete Augen.
Wie häufig sind Sie unter Drogeneinfluss gefahren? Wie haben Sie sonst Konsum und Fahren voneinander getrennt?
Ich bin ein bis zwei Mal in der Woche Auto gefahren. Da ich zuletzt fast täglich gekifft hatte, bin ich regelmäßig unter dem Einfluss gefahren (zumindest passiv). Eine Trennung hat somit nicht stattgefunden.
3

Drogenvorgeschichte

Nachdem Sie die aktenkundigen Delikte detailliert dargestellt haben, müssen Sie Ihre Drogenvorgeschichte so genau wie möglich darstellen. Es hat sich bewährt, seinen Drogenkonsum vom ersten Konsum bis heute tabellarisch aufzuarbeiten. Ihre Drogenvorgeschichte sollten Sie unbedingt so transparent wie möglich darstellen. Sollten Ihre Angaben nicht nachvollziehbar sein, wird der Gutachter die gesamten erhobenen Befunde als nicht verwertbar einstufen. Ihr Gutachten wird dann negativ.

Ein wichtiger Hinweis: Sie sollten auch Angaben zu Ihrem Alkoholkonsum machen können.
Ihr Alkoholkonsum sollte sich seit Ihrer Abstinenz nicht erhöht haben.

Alter und Lebensabschnitt (z.B.16-18 Jahre und 19-23 Jahre etc.). Bilden Sie sinnvolle Lebensabschnitte und ordnen Sie das entsprechende Alter zu (Schulzeit, Ausbildung, erster Job, Ehe, Trennung etc.) Häufigkeit, Mengen (die Mengen genau darlegen), Höchstmengen Zu welchen Anlässen haben Sie konsumiert? (Party, Zuhause, mit Freunden beim Grillen etc.) Lebensereignis/Lebensphase (Ausbildung, Schulzeit, Trennungsphase etc.)
z.B. 16-18 Jahre
Ca. 1-2 Mal in der Woche (freitags und/ oder samstags).
Partys, Geburtstage, Treffen mit Freunden
Schulzeit
1-2 Joints mit e 0,1 bis 0,2 g Marihuana; Höchstmengen: 0,4 g
19-23 Jahre
Ca 3-4 Mal in der Woche (freitags und/ oder samstags) und 1-2 Wochentage
Treffen mit Freunden, Semesterpartys, Geburtstage, Disco
Studienzeit/ Studienabbruch
1-2 Joints mit je 0,2 bis 0,3 g Marihuana; Höchstmengen: 0,6 g
24 - 25
Ca 4-5 Mal in der Woche (freitags und/ oder samstags) und 2-3 Wochentage
Treffen mit Freunden, abends auch allein gekifft
Orientierungsphase, neue Ausbildung, Auszug aus Elternhaus
1-2 Joints mit je 0,2 bis 0,3 g Marihuana; Höchstmengen: 0,6 g
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Konsummotive

Nachdem Sie Ihre Drogenvorgeschichte dargestellt haben, müssen Sie die Hintergründe und die Motive Ihres Drogenkonsums darstellen. Nur wer seine Konsummotive kennt, kann die erforderlichen Veränderungen (vgl. Punkt 5) erarbeiten und umsetzen.
Individuelle Konsummotive 1. Ich hatte damals viele Selbstzweifel. Ich bin Konflikten lieber aus dem Weg gegangen und habe mir nicht zugetraut, mit Belastungen umzugehen. Wenn ich gekifft hatte, war mir das egal. Mir war aber dann auch die Meinung anderer egal und ich musste mich nicht mit Kritik auseinandersetzen.

2. Früher neigte ich dazu, Probleme in mich hineinzufressen, weil ich keine Schwächen zeigen wollte. Drogen haben mir dabei geholfen, Probleme und Sorgen für den Moment zu vergessen.

3. Ich habe mich früher oft sehr unter Druck gesetzt und wollte die Erwartungen meiner Eltern (und auch meine eigenen) erfüllen. Das hat dazu geführt, dass ich ständig Angst davor hatte, Fehler zu machen und immer unter Anspannung stand. Das Kiffen hat mir dabei geholfen, mich mal zu entspannen und besser zu einzuschlafen.

4. Ich habe die Gefahren von Drogen und die Konsequenzen meines Verhaltens ausgeblendet.
Die kurzfristigen Vorteile
Für den Moment konnte ich Sorgen und Probleme vergessen/ beruhigende Wirkung/ leichter in den Schlaf kommen/ Grübeln ausschalten
Gründe für den ersten Drogenkonsum
Ich habe mich damals von meinen Eltern nicht verstanden und unter Druck gesetzt gefühlt/ Unzufriedenheit/ Wunsch nach Zugehörigkeit
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Rückfallprophylaxe

Welche Veränderungen schützen Sie zukünftig vor Rückfällen? Sie müssen nachvollziehbar darstellen
können, dass die unter Punkt vier geschilderten Konsummotive heute nicht mehr relevant sind und Sie
beispielsweise alternative Problemlösefähigkeiten erworben haben.

Fassen Sie bitte alle rückfallmindernden Veränderungen zusammen, die Sie vor Rückfällen schützen.

1a. Warum müssen Sie zur MPU bzw. warum sind Sie heute hier?

1. Heute bin ich viel selbstbewusster. Das liegt auch daran, dass ich meine eigenen Ziele definiert habe und
das tue, was sich für mich richtig anfühlt – nicht mehr das, was andere von mir erwarten. Ich bin aus
meinem Elternhaus ausgezogen und treffe meine eigenen Entscheidungen.

 

2. Heute rede ich über meine Gefühle und auch darüber, was mich belastet. Das hilft mir und hat sogar
meine Beziehungen gestärkt, weil ich offener bin und andere dichter an mich heranlasse.

 

3. Ich setze mich heute nicht mehr so unter Druck. Früher habe ich versucht, anderen zu gefallen. Heute
achte ich darauf, wie es mir geht. Wenn mir etwas zu viel wird, kann ich „Nein“ sagen und wenn ich Stress
habe, tue ich mir etwas Gutes. Zum Beispiel gehe ich gern Joggen und koche gern. Außerdem erlaube ich
mir heute, auch mal Fehler zu machen – davon geht die Welt nicht unter.

 

4. Ich bin mir heute bewusst, dass Drogen meine Probleme nicht gelöst, sondern nur verschlimmert haben.
Seitdem ich abstinent lebe, sehe ich, dass ich dazu in der Lage bin, mich Problemen und Konflikten zu
stellen.

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Entscheidungsprozess

Schildern Sie bitte den Entscheidungsprozess, wie Sie sich dazu entschlossen haben, ein drogenfreies Leben zu führen
Am Anfang fiel es mir ehrlich gesagt schwer, einzusehen, dass Drogen mir nicht helfen. Ich wusste, dass ich abstinent sein muss, um meinen Führerschein zurückzubekommen. Aber im Laufe der Zeit bemerkte ich bei mir Veränderungen: Ich hatte wieder Lust, joggen zu gehen und mich gesund zu ernähren. Ich fühlte mich wieder wohler in meiner Haut und energiegeladener. Das strahlte ich auch nach außen hin aus und es fiel mir immer leichter, Dinge anzupacken. Ich habe mich um einen neuen Job gekümmert, habe seit einigen Monaten eine Freundin. Irgendwann wurde mir bewusst, dass ich mir viel mehr zutrauen kann als früher gedacht. Und das hätte ich nie erfahren, wenn ich weiterhin Probleme und Sorgen mit Drogen verdrängt hätte. Ich führe ein zufriedeneres, selbstbestimmteres und gesünderes Leben und das möchte ich nicht mehr hergeben.
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Aufrechterhaltende Motivation

Schildern Sie Ihre Motivation, dauerhaft drogenfrei zu leben. Es muss deutlich werden, dass es viele Gründe gibt, weswegen Sie dauerhaft abstinent leben möchten, die nichts mit Ihrer Fahrerlaubnis zu tun haben.
Schildern Sie eine tragfähige Motivation dauerhaft drogenfrei zu leben: Früher habe ich mir selbst sehr wenig zugetraut und dachte, dass ich mit Schwierigkeiten nicht umgehen kann und sie verdrängen muss. Dadurch habe ich mir selbst die Chance genommen, zu lernen. Seitdem ich abstinent bin, habe ich mich um einen neuen Job, eine Wohnung und viele Alltagsaufgaben gekümmert und sehe, dass ich es kann. Ich fühle mich selbstbewusster, ausgeglichener und glücklicher.
Schildern Sie die positiven Veränderungen, die sich eingestellt haben, seit Sie drogenfrei leben:
Ich kann mich wie gesagt heute Schwierigkeiten stellen, bin offener geworden und selbstbewusster. Auch fühle ich mich fitter und habe wieder mehr Lust auf Sport. Ich muss nicht mehr ständig Angst davor haben, Fehler zu machen, weil ich konzentrierter, leistungsstärker und zuverlässiger bin. Und wenn mir dann doch ein Fehler passiert, kann ich mir zugestehen, nicht perfekt zu sein.
Schildern Sie die negativen Auswirkungen Ihres Drogenkonsums, die Sie in der Zukunft verhindern möchten:
Ich habe die Drogen benutzt, um mich unangenehmen Dingen nicht stellen zu müssen. Dadurch habe ich mich selbst ziemlich kein gemacht und oft an mir gezweifelt. Durch das Kiffen war ich im Job oft unkonzentriert, was noch mehr Probleme verursacht hat. Das Verhältnis zu meinen Eltern war angespannt und ich habe mich in meiner Haut nicht wohl gefühlt. Statt fit und gesund fühlte ich mich meistens träge und antriebslos.
Schildern Sie bitte die Risiken, die mit Ihrem damaligen Drogenkonsum verbunden waren (Jobverlust, gesundheitliche Risiken etc.)
Ich hätte meinen Job verlieren und finanzielle Probleme kriegen können. Ich hätte mich mit meinen Eltern zerstreiten können. Ich hätte eine Psychose oder Lungenprobleme bekommen können. Ich hätte noch weiter in den Drogenkonsum rutschen und mir alles kaputt machen können. Und ich hätte einen Unfall bauen und andere oder mich verletzen können.
Aus welchen Gründen haben Sie trotz der genannten Nachteile weiter konsumiert?
Es fehlte mir damals noch an Vertrauen in mich selbst und es fehlte mir auch an Einsicht, dass Drogen meine Probleme nicht lösen, sondern sie verschlimmern.
8

Glatteisstellen

Schildern Sie bitte Ihre Glatteisstellen bzw. kritische Rückfallsituationen. Man sollte in der MPU nicht darauf beharren, dass ein Rückfall vollkommen ausgeschlossen werden kann. Eine realistische Darstellung möglicher Rückfallgefahren ist an dieser Stelle von großer Bedeutung. Schildern Sie bitte Situationen, die in Zukunft eine Rückfallgefahr für Sie darstellen könnten (unangenehme Gefühlszustände, soziale Konfliktsituationen, Situationen von sozialer Verführung etc.).
  1. Wenn ich mir selbst wieder zu wenig zutraue und denke, dass ich mich Problemen nicht aus eigener Kraft stellen kann – dann würde ich mich daran erinnern, was ich schon alles geschafft habe und mir Zeit nehmen, eins nach dem anderen anzugehen.
  2. Wenn ich mir wieder zu viel Druck mache, die Erwartungen anderer zu erfüllen – dann schaue ich auf das, was sich für mich gut anfühlt. Wenn es mir zu viel wird, sage ich ehrlich „Nein“. Wenn ich eine Pause brauche, nehme ich mir Zeit zum Joggen, zum Kochen oder tue mir etwas anderes Gutes.
  3. Bei Problemen und Belastungen (z.B. Trennung, Jobverlust, Verlust eines Angehörigen) – dann würde ich mit Vertrauten über meine Gefühle sprechen, nach Trost und Unterstützung suchen.
  4. Konflikte – wenn ich merke, dass ich mich lieber zurückziehen möchte, anstatt mich dem Konflikt zu stellen, bitte ich um etwas Zeit, um meine Gedanken zu ordnen und suche dann noch einmal das Gespräch.
9

Warnsignale

Sind Ihnen Ihre Warnsignale bekannt, die vor einem Rückfall auftreten könnten? Wenn man sich seiner Frühwarnzeichen bewusst ist, kann man entsprechend Gegenmaßnahmen rechtzeitig einleiten, bevor es zu einem Rückfall kommt. Frühwarnzeichen können sich auf den unterschiedlichsten Ebenen bemerkbar machen. Schildern Sie bitte Ihre Warnsignale.

Körperliche Warnsignale: z.B. Zittrigkeit, Kopf- oder Bauchschmerzen, Einschlafprobleme

Emotionale Warnsignale: z.B. Ängstlichkeit, Nervosität, Gereiztheit, Stimmungsschwankungen

Kognitive Warnsignale: z.B. Grübeln, Konzentrationsschwäche, negative Gedanken

Warnsignale auf Verhaltensebene: z.B. häufiger Streit, Vernachlässigung von beruflichen oder privaten
Verpflichtungen, Rückzug von sozialen Kontakten

10

Suchtdruck

Wie gehen Sie mit Suchtdruck um? In welchen Situationen kommt es vor?

Am Anfang kam besonders in den Abendstunden das Bedürfnis auf, zum Entspannen zu kiffen. Ich
musste mir erst andere Wege suchen, mich zu entspannen und mit Problemen umzugehen. Anstatt bis
zum Abend zu warten, kläre ich schon am Tag, was mich beschäftigt – manchmal muss einfach eine
Aufgabe erledigt werden, manchmal hilft ein Gespräch. Sollte doch mal das Bedürfnis aufkommen,
würde ich Sport machen, jemanden anrufen, mir etwas Leckeres kochen. Situationen, in denen andere
kiffen, vermeide ich.

11

Umstellung

Wie gehen Sie mit Gruppendruck bzw. Verlockungssituationen um, in denen Ihnen Drogen angeboten
werden?

Am Anfang war es schwierig, einzusehen, dass Drogen alles nur verschlimmern. Ich habe das Kiffen als „harmlose Entspannung“ betrachtet. Es hat mich auch Überwindung gekostet, für mich einzustehen und Probleme anzupacken. Am Anfang hatte ich das Bedürfnis, wieder den einfacheren Weg zu gehen aber mit der Zeit und mit Übung fiel es mir immer leichter. Ich wurde selbstsicherer und offener. Und dann kam auch der Stolz. Ich bin stolz auf das, was ich erreicht habe und werde von anderen sogar dafür respektiert, dass ich mich klar positionieren kann.
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Verlockungssituationen

Wie gehen Sie mit Gruppendruck bzw. Verlockungssituationen um, in denen Ihnen Drogen angeboten
werden?

Meine Freunde und Familie wissen, dass ich abstinent lebe und von meinen „Kiffer-Kumpels“ habe ich mich
verabschiedet. Auf Geburtstagen ist es schon vorgekommen, dass mir von Fremden Drogen angeboten
wurden. Wenn ich „Nein danke“ sage, wird das meistens gut akzeptiert. Wenn jemand versucht, mich zu
überreden, lehne ich bestimmt ab und erinnere mich daran, wie viel besser es mir geht, seitdem ich abstinent
lebe. Mit Leuten, die nicht lockerlassen, möchte ich nichts zu tun haben. Ich würde dann gehen.

13

Rückfälle

Gab es in der Vergangenheit Rückfälle in altes Konsumverhalten? Wenn ja, warum? Was ist heute anders?
Könnten Sie sich vorstellen, zukünftig einen Rückfall zu erleben?

Seitdem ich mich für ein abstinentes Leben entschieden habe, gab es keine Rückfälle. Ich weiß aber, dass es
ein Rückfallrisiko gibt. Deshalb habe ich mich intensiv mit den Situationen beschäftigt, die für mich kritisch
werden könnten und ich habe mir Strategien erarbeitet, damit umzugehen. Deshalb schätze ich das Risiko
als gering ein.

14

Ziele für die Zukunft

Was sind Ihre Ziele für die Zukunft? Wären diese Ziele auch erreichbar, wenn Sie weiterhin Drogen
konsumieren würden?

Ich habe mir einen Job ausgesucht, der mir gut gefällt und ich möchte diesen Job nicht aufs Spiel setzen,
indem ich wieder unkonzentriert oder zu spät zur Arbeit komme. Ich möchte mich beruflich
weiterentwickeln und dafür muss ich leistungsfähig bleiben und eine gute Balance zwischen Arbeit und
Entspannung finden. Ich habe festgestellt, dass ich auch große Hürden überwinden kann, wenn ich
gelassen bleibe. Daher ist auch Sport als Ausgleich sehr wichtig für mich und ich möchte fit und gesund
bleiben. Ich kann mir vorstellen, mal eine Familie zu gründen und möchte meinen zukünftigen Kindern
beibringen, wie man sich Problemen stellt – nicht, wie man davor wegläuft.

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Veränderung zwischenmenschlicher Beziehungen

Beschreiben Sie bitte, ob und wie sich die Beziehungen zu Ihren Mitmenschen (Familie, Partner, Freunde)
verändert haben.

Seitdem ich aus meinem Elternhaus ausgezogen bin und nicht mehr kiffe, hat sich unser Verhältnis sehr
entspannt. Ich sehe, dass meine Eltern stolz auf das sind, was ich erreicht habe – aber, was noch viel
wichtiger ist: Ich bin stolz auf das, was ich erreicht habe. Ich kann ihre Meinung und ihren Rat dankend
annehmen aber meine eigene Meinung behalten. Auch zu meinen Freunden habe ich jetzt einen noch
besseren Draht – weil ich offener bin und mich häufiger mitteile. Außerdem habe ich seit ein paar
Monaten eine Freundin, mit der es sehr gut passt.

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Veränderungen des sozialen Umfelds

Haben Sie sich von Ihrem Umfeld distanziert? Wenn ja, warum?

Mit meinen damaligen „Kifferkumpels“ habe ich nichts mehr zu tun. Ich habe mich aber einer Sport-Gruppe
angeschlossen. Wir tauschen uns regelmäßig über Erfolge aus und treffen uns gelegentlich zum
gemeinsamen Joggen im Park. Zu meinen Freunden aus Schulzeiten hat sich der Kontakt wieder intensiviert,
weil ich wie gesagt offener geworden bin und wir heute über vieles reden können.