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Sie bauen unter Alkoholeinfluss einen Unfall – was nun?

Laut Statistischem Bundesamt kam es 2020 zu 14.501 Unfällen mit Personenschaden, an denen mindestens ein Beteiligter unter dem Einfluss berauschender Mittel stand. (Quelle: Destatis). Erfreulich ist, dass die Zahlen von Alkoholdelikten seit 1975 rückläufig ist. Alkohol ist jedoch im Straßenverkehr besonders gefährlich. 

 

Durch den Konsum von Alkohol werden die Augen empfindlicher, die Reaktion lässt deutlich nach, Entfernungen können schlechter abgeschätzt werden, die Geschwindigkeit bekommt eine neue Relation, die Risikobereitschaft steigt, das Blickfeld wird schmaler und ein sicheres Fahren ist kaum möglich.

 

Durfte man noch in den 60er-Jahren mit 1,5 Promille ein Fahrzeug führen, ist das heute ganz anders. Baut man unter Alkohol einen Unfall, droht eine Gerichtsverhandlung. Ein Führerscheinentzug wegen Alkohol und Unfall ist sehr wahrscheinlich. Bereits ab 0,3 Promille begeht man bei einer Trunkenheitsfahrt mit Unfall eine Straftat. Spätestens bei 1,1 Promille kommt es dann regelmäßig zu einer Verhandlung vor einem Gericht. 

Der ultimative FAQ-Guide zum Thema 

Wir haben den restlichen Beitrag in Form eines längeren FAQ-Bereichs für Sie zusammengestellt, da es viele Fragen zu berücksichtigen gibt:

Muss man mit dem Entzug der Fahrerlaubnis rechnen, wenn es zu einem Unfall unter Alkoholeinfluss gekommen ist?

In den meisten Fällen wird Ihnen bei einer Trunkenheitsfahrt mit Unfall die Fahrerlaubnis entzogen. Um diese wiederzuerlangen, müssen Sie im Normalfall eine Alkohol MPU machen und unter Umständen einen Abstinenznachweis für 6 oder 12 Monate erbringen. 

Für wie lange erfolgt der Führerscheinentzug wegen Alkohols und Unfall?

Es kommt immer auf den Einzelfall an. In der Regel können Sie jedoch mit einem Entzug des Führerscheins für mindestens 6 Monate rechnen. 

Kann ich die MPU nach einer Alkoholfahrt mit Unfall vermeiden?

Um den Führerschein wiederzubekommen, müssen Sie nach einem Unfall aufgrund Alkoholmissbrauchs praktisch immer eine MPU durchlaufen. Im Rahmen dieser Medizinisch-Psychologischen Untersuchung führen Sie einen Reaktionstest durch und ein Gespräch mit einem geschulten Verkehrspsychologen (MPU-Gutachter), der prüft, ob Sie in der Lage waren, Ihr Verhalten zu überdenken und vor allem nachhaltig zu ändern. 

 

Mit Tricks kommt man hier nicht weiter. Man muss wirklich sehr glaubhaft darlegen, dass man erkannt hat, einen Fehler gemacht zu haben und nach der Ursachenforschung an die Bewältigung gegangen zu sein. 

Begehe ich eine Straftat, wenn ich betrunken einen Unfall verursache?

Wenn Sie betrunken einen Unfall verursachen, ist dies keine einfache Ordnungswidrigkeit mehr, sondern eine Straftat. Sie gelten danach als vorbestraft und müssen sich in einer Gerichtsverhandlung beweisen. 

Kommt es immer zu einer Gerichtsverhandlung nach einem Unfall unter Alkohol?

Ein Unfall unter dem Einfluss von Alkohol stellt eine Straftat dar und eine Gerichtsverhandlung kann oft nicht vermieden werden. Hierzu besagt § 315c des Strafgesetzbuches (gekürzt): 

 

Wer im Straßenverkehr ein Fahrzeug führt, obwohl er infolge des Genusses alkoholischer Getränke oder anderer berauschender Mittel […] nicht in der Lage ist, das Fahrzeug sicher zu führen […] und dadurch Leib oder Leben eines anderen Menschen oder fremde Sachen von bedeutendem Wert gefährdet, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft. (Quelle: dejure.org)

 

Um einer hohen Geldstrafe oder gar einer Freiheitsstrafe von bis zu 5 Jahren zu entgehen bzw. mildernd auf die Strafhöhe einzuwirken, kann es sehr hilfreich sein, sich sofort mit seinem Verhalten und den daraus entstandenen Konsequenzen auseinanderzusetzen. 

 

Dies kann man am besten durch intensive Gespräche mit einem Verkehrspsychologen erreichen. Dieser ist genau auf solche Situationen geschult und hilft Ihnen dabei, über die Straftat zu reflektieren. 

Wie kann ich mich auf eine Gerichtsverhandlung infolge eines Unfalls unter Alkohol vorbereiten?

Natürlich ist neben dem Bestreiten der MPU auch der Ausgang des Gerichtsverfahrens für Sie von großer Bedeutung. Aber in gewisser Weise hängt beides auch zusammen. Wenn Sie durch eine gute Vorbereitung auf die MPU beweisen, dass es Ihnen wirklich ernst ist, wird sich das in aller Regel auch auf den Ausgang des Gerichtsverfahrens positiv auswirken. Es geht darum zu zeigen, dass Sie Ihren Fehler erkennen und alles dafür tun wollen, um Ihr Verhalten zu ändern. 

Ist auch eine Ahndung per Strafbefehl ohne Gerichtsverhandlung bei alkoholbedingten Unfällen denkbar?

Ist die Situation sehr eindeutig und eine Verurteilung wahrscheinlich, kann die Staatsanwaltschaft einen Strafbefehl beantragen, der von einem Gericht anschließend erlassen wird. 

 

Legen Sie gegen den Strafbefehl keinen Einspruch ein, akzeptieren Sie demnach die Strafe und es kommt nicht mehr zu einer Gerichtsverhandlung. Sie müssen hierbei meist mit einer Geldstrafe, einem Entzug der Fahrerlaubnis und einer Sperrfrist rechnen, jedoch nicht mit einer Freiheitsstrafe. 

Kann auch der KFZ-Versicherungsschutz erlöschen?

Der guten Ordnung halber möchten wir darauf hinweisen, dass auch Ihr Versicherungsschutz ganz oder teilweise erlöschen kann, wenn Sie unter Alkoholeinfluss an einem Unfall beteiligt sind. 

 

Ab 1,1 Promille und grober Fahrlässigkeit kommt es mehrheitlich zu einer kompletten Zahlungsverweigerung der Versicherungen, was tiefgreifende finanzielle Folgen nach sich ziehen kann.

 

Ist man als betrunkener Autofahrer an dem Unfall nicht schuld, muss man zwar mit keinen versicherungsrechtlichen Problemen rechnen, jedoch immer noch mit einem Bußgeld und einem Strafverfahren. 

Werde ich erst ab 0,5 Promille Alkohol bei einem Unfall zur Rechenschaft gezogen? 

Nein, bei einer Alkoholfahrt mit Unfall wird der Unfallverursacher bereits ab 0,3 Promille zur Rechenschaft gezogen und macht sich strafbar. 

Ich möchte meinen Führerschein nach einer Alkoholfahrt mit Unfall möglichst schnell wieder haben. Was kann ich tun?

Direkt abkürzen lässt sich der Prozess zur Wiedererlangung des Führerscheins nach einem Unfall unter Alkoholkonsum nicht. Sie können zwar versuchen, die Fahrerlaubnis zurückzubekommen, wenn ganz besondere Umstände im Raum stehen und ihre Existenz grundlegend gefährdet ist, jedoch größtenteils ohne Erfolg. 

Bei einer MPU geht es stets um die Beurteilung der Wiederholungsgefahr

Eine MPU ist praktisch nichts anderes als eine Beurteilung darüber, ob die Gefahr der Wiederholung (z. B. des Alkoholmissbrauchs) gegeben ist. Man möchte auf diese Weise sicherstellen, dass der Betroffene sich wirklich ändert und an seinem Verhalten arbeitet. 

 

Es geht nicht darum, jemanden bloßzustellen oder nach einem Unfall unter Alkohol vor einer Gerichtsverhandlung zu bewahren. Es handelt sich um zwei verschiedene Aktionsstränge. Das eine Thema ist die Strafverfolgung durch die Polizei, die Staatsanwaltschaft und das Gericht aufgrund der Vergehen gegen das Strafgesetzbuch. 

 

Das andere ist die Fahrerlaubnisbehörde, die den Führerschein einzieht und vielfach eine MPU angeordnet, aufgrund der Vergehen gegen die Straßenverkehrsordnung. Eine Trunkenheitsfahrt mit Unfall löst demnach viele Prozesse aus. In vielen Bereichen können wir Ihnen helfen, in anderen können Sie sich nur selbst helfen und in wieder anderen ist ein Anwalt die richtige Ansprechperson.

 

In unserer kostenlosen MPU-Erstberatung können wir Ihren Fall gemeinsam betrachten und die richtigen ersten Schritte einleiten. Je früher Sie den besten Weg einschlagen, desto besser.